Freundeskreis für den Erhalt der

Stiftskirche Petersberg

bei Halle e.V.

Geschichte des Baudenkmals



1124 gründete Graf Dedo aus dem Geschlecht der Wettiner auf dem heutigen Petersberg ein Augustinerchorherrenstift. Die tektonische Erhebung, fast 200 m über die umgebenden Ebene hinausragend, erhielt ihren Namen erst im 14. Jhd.
Vor seinem Tod noch im Gründungsjahr ernannte Dedo seinen Bruder zu seinem Nachfolger. Der ging als "Konrad der Große" (1098 - 1157) in die Geschichte ein.
Sein Bildnis ist auf der Grabplatte aus dem 14. Jhd. erhalten. In der Rechten hält er das Schwert, in der Linken seine Kirche. Dieses Kirchenmodell ist zugleich das älteste überlieferte der Stiftskirche. Es kann heute an der südlichen Turmgiebelwand im Innenraum besichtigt werden.
Konrad suchte die Unabhängigkeit gegenüber Eingriffen der Geistlichkeit und der Fürsten. Nach seinem Besuch 1127 bei Papst Honorius II. erhielt er für den Petersberg das Privileg als päpstliches "Eigenstift". Er war gleichzeitig Vogt der Klöster Reinhardsbrunn, Bossau (Posa) und Gerbstedt.

Bevor es jedoch zum Bau der uns heute im wesentlichen überlieferten Kirche kam, entstand als erster Sakralbau die Rotunde. Sie ist nördlich der Stiftskirche als Fragment noch vorhanden.
Daneben entstand zur Übernachtung der Brüder ein Bau, der heutige Chor. Er gab letztendlich die Abmessungen der Stiftskirche vor. Nach Westen bildete der Hang des abfallenden Porphyrhügels die Baugrenze.
Von 1128 bis 1137 entstand das Kirchenschiff mit zwei breiten Seitenschiffen, dessen Längsausdehnung in etwa seiner Breite entspricht. Das Turmbauwerk, doppelt so breit wie tief, deckt das gesamte Kirchenschiff ab. Es besaß keinen Westeingang, wie sonst üblich. Die erste Weihe erfolgte 1146.

Die Gestaltung der Kirche entspricht ganz der nach-ottonischer Bauten des 12. und 13. Jhd.

Nach eingreifenden Umgestaltungen erfolgte 1184 eine erneute Weihe. Brände (1199, 1565 durch Blitzeinschlag) und die Reformationswirren 1538 / 40 sowie die anschließende Säkularisation ließen nur Fragmente der Kirche überdauern.

Ende des 18. Jhd. erwuchs ein neuerliches Interesse an der Ruine auf dem waldlosen Porphyrhügel. Dies entsprang der romantisierenden Auffassung der damaligen Zeit. Auch Goethe war 1778 angetan vom Eindruck der Ruine.
Erst Schinkels Besuch 1833 führte zu einem Beginn der Rettung des Bauwerks. Er war als oberster Baubeamter Preußens beeindruckt von der landschaftlichen Gestaltungskraft. Seine vor Ort gezeichneten Skizzen gaben den Anstoß zur Wiederherstellung des Ensembles. 1842 erging ein erster Auftrag zur Rekonstruktion der Klosterkirche, die von 1853 bis 1857 erfolgte, an der der Nachfolger Schinkels, der preußische Baumeister Stüler, wesentlichen Anteil hatte.

Viele Details entsprechen demzufolge den Auffassungen des 19. Jhds. Besonders an der Gestaltung der flachen Holzbalkendecken ist dies abzulesen. Sie erhielten entgegen der romanischen Ausbildung der Entstehungszeit Konsolknaggen.
Die farbliche Gestaltung der Decken, eine feine Schablonenmalerei, ist noch im Langhaus an der von unten sichtbaren Schalung zu sehen. Auch die Gestaltung der Schnitzarbeiten an der eingefügten Empore ist eine erwähnenswerte Zutat dieser Zeit. Sie war eine Anlehnung an die erste deutsche Westempore im Oktogon des Aachener Doms.

Spekulationen gibt es zum Standort einer frühen Orgel, die beim Brand 1199 vernichtet wurde. Es existieren Berichte von einem Instrument über der doppelbogigen Arkade im Westen. Heute ist hiervon nichts mehr gegeben.

Erwähnenswert sind die im 13. Jhd. eingebauten Emporen im Osten. Die Dächer über dem Grundriß nördlich und östlich des Chores wurden in gleicher Neigung dem Chordach angeschlossen, so wie wir sie heute sehen.

Der Dachreiter auf der Vierung ist eine Gestaltung des 19. Jhds.

Besichtigungen & Gebete

abgeschlossene Projekte